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Grüne sehen Existenz des ORF gefährdet
Interne Weisungen kritisiert: "Demonstrationsverbot"
Wenn die ÖVP-FPÖ-Regierung und besonders die FPÖ weiter Druck auf den ORF
und die Medien ausüben, wollen die Grünen jede sachliche Zusammenarbeit mit
der Regierung im Parlament einstellen. Dies erklärten die Abgeordneten
Madeleine Petrovic und Peter Pilz am Freitag in einer Pressekonferenz in
Wien. "Die Angriffe der FPÖ gegen den ORF haben ein Maß erreicht, das die
Ebene der Verfassung und der Grundrechte insgesamt tangiert", so Petrovic.
Pilz sprach von Einschüchterungsversuchen und Diffamierungen.
"Interventionen gab es im ORF immer. Nach SPÖ-Politikern versuchen nun
FPÖ-Politiker, sich Einfluss im ORF zu sichern. Geändert hat sich die Art
und Weise, die immer gewalttätigere Formen annimmt", so Pilz. Der Grüne
berichtete, dass ORF-Journalisten "massiven Drohungen" und "anonymem
Telefonterror" rund um die Uhr ausgesetzt seien.
Laut Pilz gebe es darüber hinaus für ORF-Mitarbeiter des Aktuellen Dienste
die "Weisung", nicht an den Demonstrationen gegen die neue Bundesregierung
teilzunehmen. "Das ist eine Einschränkung der Grundrechte", sagte Pilz. Und:
"Mir ist nicht bekannt, dass es eine Weisung gibt, dass ORF-Mitarbeiter
nicht an Regierungsveranstaltungen teilnehmen dürfen. Sogar bei der Wiener
Polizei ist es möglich, dass Polizisten in ihrem Privatleben an den
Demonstationen teilnehmen können." Nach einer weiteren Weisung dürfe laut
Pilz in der ORF-Berichterstattung nur von einer schwarz-blauen, nicht aber
von einer blau-schwarzen Regierung gesprochen werden.
Die Grünen erwarten eine Existenzgefährdung des ORF. Pilz: "Wenn es der FPÖ
nicht gelingt, die Macht im ORF zu übernehmen, wird man ab Herbst änderungen
im Rundfunkgesetz vornehmen." Diese seien mit einfacher Mehrheit im
Parlament möglich. Der ORF könnte dann in seiner wirtschaftlichen und
programmlichen Entwicklung gehemmt oder in eine Aktiengesellschaft mit
ÖVP-dominierter Ländermehrheit umgewandelt werden. Die Privatisierung des
Radios FM4 oder eines TV-Kanals wäre möglich, und die ORF-Strukturen könnten
den Wünschen von ÖVP und FPÖ angepasst werden.
"Wenn's der Regierung passt, kommt eine Quotenregelung für Westenthalers
Lieblingsmusik auf Ö3, oder es gibt einen FPÖ-Aufpasser als
ORF-Generalsekretär - ein 'interner Westenthaler'", so Pilz in Anspielung
auf jüngste Aussagen des FPÖ-Klubobmannes. "Wie die Entwicklung in der
Regierung ist, kann niemand abschätzen. Die FPÖ ist zur Machtübernahme
bereit. Die ÖVP ist gespalten." Es gebe in der Volkspartei Minister, die den
ORF als öffentlich-rechtliches Unternehmen erhalten und stärken wollen,
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sehe den ORF aber nur unter "persönlichen
und machtpolitischen Aspekten", meinte der Grüne Parlamentarier.
Quelle: der Standard online
Aufmerksam gemacht wurden wir durch ein mail vom Österreichischen Journalistenclub
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