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The Academy of the Gustaf-Gründgens-Preis 2000 gibt bekannt: and the nominees are...
Die Entscheidung über die Gustaf-Gründgens-Preise 2000, Österreichs sog. Kollaborations-Oscars, ist gefallen. Die unbestechliche Experten-Jury hat ihr Urteil gefällt, wer die heuer erstmals vergebenen Auszeichnungen für Anpassung und Unterordnung gegenüber Schwarz-Blau erhalten wird. Auf Basis zahlloser Vorschläge aus der Bevölkerung und nach achtstündigen, intensiven Beratungen hat die "Academy" in den sieben Preis-Kategorien jeweils fünf Nominierungen ausgesprochen. "And the winner is..."
Die Academy nominiert für den Gustaf-Gründgens-Hauptpreis als "Grösster Wendehals" folgende hervorragende Persönlichkeiten:
GERTRUDE BRINEK, Nationalratsabgeordnete der ÖVP für ihr leeres Versprechen, öffentlich verkündet am Podium der Grossdemonstration am 12. November 1999 im Falle einer schwarzblauen Koalition ihr Nationalratsmandat niederlegen zu wollen und für ihr heutiges Werben um einen nationalen Schulterschluss.
ELISABETH GEHRER, ÖVP-Unterrichtsministerin für ihr vehementes Eintreten gegen eine Koalition mit den Freiheitlichen und ihr braves Mittun in der neuen Regierung.
HANS DICHAND, Verleger der "Neuen Kronenzeitung" weil er sich als "grösster Feind" von schwarzblau inszwischen zum grössten Freund und Unterstützer gewandelt hat.
FRANZ MORAK, ehemaliger Hauptdarsteller im Burgtheater weil sich Gustaf Gründgens seinerzeit einen Franz-Morak-Preis verdient gehabt hätte.
WOLFGANG SCHÜSSEL, Kleindarsteller im Kanzleramt no na und überhaupt und sowieso. In der Kategorie "Grösster Wendehals" spricht die Jury Hrn.
PETER SICHROVSKY eine "Erwähnung" zu (für sein Lebenswerk).
Im Kuvert: Und der Gewinner ist... FRANZ MORAK
Für den "Gustaf" in der Kategorie "Aktive Kollaboration" sind nominiert:
REINHARD POHANKA und GÜNTHER DÜRIEGEL vom HISTORISCHEN MUSEUM DER STADT WIEN weil sich beide auch von erheblichen Widerständen im eigenen Haus nicht abhalten liessen, für das Historische Museum der Stadt Wien daheim bei der "Perle vom Gailtal", also in Elisabeth Sickls braunem Spukschloss Albeck die Ausstellungen "Die vier Jahreszeiten" zu kuratieren.
AGNES HUSSLEIN, Döblinger Regimentstochter für den rechten Riecher zur rechten Zeit, den sie bewiesen hat, als sie bereits vor den Wahlen eine grosse Party für Thomas Prinzhorn ausgerichtet hat. KARL MOIK, Musikanten-Staberl für seine von Herzen kommende Ermunterung beim heurigen Villacher Fasching: "Lass dich nicht unterkriegen, Jörg!"
RICHARD NIMMERRICHTER, Kronen-Staberl als verbaler Krieger der ersten Stunde und für sein Lebenswerk.
ANDREAS UNTERBERGER, Chefredakteur der "Presse" für seinen Aufstieg vom Klassensprecher und Regierungssprecher.
Im Kuvert: Den Gustaf in der Kategorie "Aktive Kollaboration" erhalten... REINHARD POHANKA und GÜNTHER DÜRIEGEL vom HISTORISCHEN MUSEUM DER STADT WIEN.
Darüberhinaus verleiht die Jury an dieser Stelle Hrn. WOLF MARTIN (Kronenzeitung) für seine rasante Wandlung vom hetzenden Reimgeiferer zum regierungsverherrlichenden Jubelverseschmid den Titel "Poeta Laureatus" und erkennt ihm auf Lebenszeit den zugehörigen Lorbeerkranz zu.
In der Kategorie "Passive Kollaboration" wurden offiziell nominiert:
HEINZ FISCHER, Nationalratspräsident dafür, dass er am 4. Mai anlässlich der Aufführung des szenischen Protokolls "Pogrom" im Reichsratssaal, die von den Schauspielern vorrangeschickte Feststellung, sie verstünden sich bei dieser Gedenkveranstaltung als Gäste des Parlaments und nicht der Bundesregierung, meinte im Anschluss wie folgt kommentieren zu müssen: Er sei durchaus für die Freiheit der Kunst, aber für diese Bemerkung der Schauspieler wolle er sich ausdrücklich entschuldigen, weil dies für ihn ein Tag der Toleranz sei.
GUSTAV PEICHL, Presse-Karikaturist und Architekt für sein schwarzblau-behübschendes Gekrakel, für seine Mahnungen nach dem Regierungswechsel, die Künstler sollten Kunst machen und sich aus der Poltik heraushalten und wegen seines Vornamens.
der P.E.N.-CLUB für seine spontane Verurteilung der EU-Sanktionen und für die anhaltende Unfähigkeit, die Mitgliedschaft von Peter Sichrovsky im P.E.N. überhaupt nur zur Diskussion zu stellen, etc. etc.
GERHARD WEIS, ORF-Intendant für eine weitgehend regierungswillfährige Hofberichterstattung des Staatssender, exemplarisch offenbart beim sog. "Österreich-Gespräch".
die WIENER PHILHARMONIKER für ihre offizielle Stellungnahme nach Protesten gegen ihr Pariser Konzert (Zitat: "Die Wr. Philharmoniker haben es trotz schärfster Pressionen bis zum Schluss abgelehnt, eine gegen die FPÖ und gegen die Bundesregierung gerichtete Erklärung zu unterzeichnen.") und selbstverständlich für ihre "Ode an die Freude" in Mauthausen.
Im Kuvert: Und der Gewinner ist... GERHARD WEIS
Für "Hofberichterstattung und journalistische Selbstaufgabe" sind nominiert:
WOLFGANG UND HELMUTH FELLNER, die Gebrüder News für die nahtlose Kontinuität ihrer Hofberichterstattung von rot-schwarz zu schwarz-blau, die ihren Niederschlag fand in rührenden Homestorys über Susanne Riess-Passer, beinharten Reportagen wie "Der harte Arbeitstag des Wolfgang Schüssel" und journalistischen Reissern wie "News enthüllt: So bindet sich Wolfi Schüssel seine Krawatte"
PAUL LENDVAI, ORF-Journalist für die prompte und ganz Österreich beruhigende Mitteilung, die Reaktion der EU 14 habe ausschliesslich innenpolitische Gründe in den einzelnen Ländern.
die Herausgeber der OBERÖSTERREICHISCHEN NACHRICHTEN für die rasante Redaktions-Säuberung gleich nach dem Regierungswechsel
die Chefredaktion der PRESSE für die kämpferische Eroberung der ungefährdeten Spitzenposition als Zentralorgan der schwarzblauen Regierung
GÜNTHER ZIESEL, ORF-Journalist für allsonntägliches Einschleimen und In-die-Knie-gehen gegenüber Schwarzblau.
Weiters legt die Akademie ausdrücklichen Wert auf die Feststellung, dass DORIS KNECHT nach langer Jury-Diskussion doch nicht nominiert wurde.
Im Kuvert: Den Gustaf in der Kategorie "Hofberichterstattung und journalistische Selbstaufgabe" erhält... Die Chefredaktion der PRESSE
Die Nominierungen für den Gustaf in der Kategorie "Innerste Immigration und vollkommenste Ignoranz" lauten:
ROLAND DÜRINGER, Kabarettist weil die Kunde vom politischen Wandel Österreichs offenbar noch nicht bis zu ihm nach "Hinterholz 8" durchgedrungen ist, bzw. weil er auf der Bühne so tut, als wisse er von nix oder es gehe ihn nichts an.
FALCO, Musiker weil er zwar weiter Platten verkauft wie ein Wilder, zur politischen Lage seines Heimatlandes aber seit längerem verdächtig geschwiegen hat.
HANS GRATZER, Intendant des Wr. Schauspielhauses für seinen wehleidigen Kommentar zum Regierungswechsel, wonach seine einzige Reaktion "Schweigen, Betroffenheit und Trauer" sei und für seine Spielplan-programmatische Flucht ins politikferne Musiktheater.
PETER NOEVER, Direktor des Museums für Angewandte Kunst für sein öffentliches Bekunden, er empfinde die gegenwärtige Atmosphäre als "dumpf und bedrückend", sehe aber seine zentrale Aufgabe darin, "das geplante Programm abzuwickeln".
HUGO PORTISCH, ORF-Österreich-Erklärer weil zum Thema "Österreich III" von ihm nichts Erhellendes zu hören ist (und wegen gleicher Behauptung wie der von Paul Lendvai).
Die Jury hält weiters fest, dass sie HERMES PHETTBERG, welcher sich selbst vorgeschlagen hat, seinen innigsten Wunsch zu leiden gerne erfüllt und ihn deshalb nicht nominiert hat.
Für GÜNTHER NENNING spricht die Jury in der Kategorie "vollkommenste Ignoranz" hingegen eine "lobende Erwähnung" aus.
Im Kuvert: Den Gustaf-Gründgens-Preis 2000 in der Kategorie "Innerste Immigration und vollkommenste Ignoranz" erhält... HUGO PORTISCH
In der Kategorie "Peinlichster Akt des Widerstands" hat die Jury nominiert:
MARIE COLBIN, Peter-Handke-Opfer für ihre einzigartige "Aktion blau, frohes, neues Jahr, Österreich" (O-Text 'Format')
ROBERT FLECK, Kurator für seinen weltweiten Aufruf (aus sicherer Distanz: von Paris aus) an Künstler, Kuratoren und Galeristen, Österreich zu boykottieren, alle Auftritte abzusagen und jede Zusammenarbeit mit ALLEN Österreichern einzustellen.
die JURY der GUSTAF-GRÜNDGENS-PREISE 2000 als schierer Akt der Willkür: ohne nähere Begründung
THOMAS KLESTIL, Staatsoberhaupt wegen heftigen Grimmassierens angesichts der Präsenz jedweder FPÖ-Vertreter
CHRISTOPH SCHLINGENSIEF, Regisseur für die Modern-Talking-mässige Repetition des immer gleichen alten Schlagers zuletzt unter dem Titel "Tötet Wolfgang Schüssel!"
Im Kuvert: Den "Gustaf" für den "peinlichsten Akt des Widerstands" erhält... MARIE COLBIN
Als "Erfolgreichster Krisengewinnler" wurden für den "Gustaf" nominiert:
HUBSI KRAMAR, Führerfigur für den weltweiten Siegeszug in der Rolle seines Lebens, mit der er einem anderen Österreich (in sich) Körper und Stimme gegeben hat.
THOMAS MAURER und FLORIAN SCHEUBA, Kabarett-Autoren für das kabarettistische Geschick, mit dem sie die Ungunst der Stunde genutzt haben und seither als "Zwei echte Österreicher" die Säle füllen.
WERNER SCHNEYDER, RTL-Kommentator für die Penetranz, mit der er sich mangels kabarettischem Geschick seit den Wahlen im In- und Ausland als professioneller Österreich-Erklärer aufplustert und für den Schwachsinn, den er dabei verzapft: z.B. dass Thomas Bernhard Jörg Haider erst möglich gemacht habe.
ARMIN THURNHER, Falter-Chefredakteur für das bewundernswerte Organisationstalent, mit dem er seinen neuen, zeitraubenden Hauptberuf als Interviewgeber für internationale Medien mit seinem Hobby als Falter-Chefredakteur in Einklang bringt.
die WIENER ZUCKERBÄCKER-INNUNG weil sie im richtigen Moment das Trend-Food des Jahres auf den Markt geworfen hat bzw. hat werfen lassen und auch dieser Abend ihre Absatzzahlen weiter befördert hat.
Im Kuvert: Die Jury verleiht den "Gustaf" als "Erfolgreichster Krisengewinnler" an... HUBSI KRAMAR
Mitglieder der "Gustaf"-Jury: Peter Blau (Der Standard u.a.), Andrea Dusl (Falter), Felicitas Heimann-Jelinek (Jüdisches Museum Wien), Bady Minck (Künstlerin und Filmemacherin), Lisl Ponger (Fotografin), Thomas Maurer (Kabarettist) und Doron Rabinovici (Schriftsteller). |
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