popo.at
Texte

News
Diskussion
QuickNotes
Über popo.at
Docs
Links
Es gehört doch viel Dummheit dazu, das für eine gute Politik zu halten

Von Helmut Eisendle

Das österreichische Volk hat unfreiwillig oder freiwillig die Macht abgegeben. An Mandatare, an Politiker, an Parteien. Nach der Angelobung an eine volksparteiliche und freiheitliche Regierung.

Freilich auch in den besten Zeiten ging von der Politik das Säbelrasseln und das Geräusch der Guillotine und keine Erleuchtung für ein spezielles Wissen vom überleben aus; Auch der Spruch egalité, liberté, fraternité ou la mort erzeugte ein Bewusstsein über den Begriff von Freiheit.

Ja, das Volk darf sich nicht, vor allem nie mehr irren.

Die Politik selbst - etwa eine regierende Volksparteilichkeit und Freiheitlichkeit wird nichts anderes bieten als dümmliche Phrasen, ein vages Gegeneinander gegen die letzte Regierung, ein bisschen Almosenkult für`s Volk, ein bisschen Sozial-, und Kultur-, vor allem aber Polizeistaat, eine Lohnerhöhung um die Inflationsrate, einen Fernsehapparat mit Fernbedienung und 100 Kanälen, internet und Karenzgeld für alle, ein voller Kühlschrank, ein Heimtrainer für die zu dicke Frau, ein Mittelklassewagen in der Wellblechgarage. Und Billa, Zielpunkt und Hofer vor der Türe?

Wohlstand, Freiheit und politische Verkommenheit.

Die Politiker finden immer wieder demagogische Wahlsprüche, die unter Zwang und selten freiwillig erfüllt werden.

Nur wer arbeitet, soll auch essen. Vor dem Gesetz sind alle gleich.

Oder: Kinderscheck für alle Mütter, damit sie zum Herd finden. Soziale Dienste für Arbeitslose, sozusagen Arbeitsdienst. Ein Selbstbehalt und Minusspiel für Kranke oder Alte, eine saubere Kultur, entweder Heimat und Scholle oder Mozart aus dem 18. Jahrhundert oder eine Unkultur wie sie uns Herr Moik vorführt etc.

Oder doch: Arbeit macht frei. Kraft durch Freude.

Oder: Das wissen sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache.

Da gibt es keine Amnesie und keine Amnestie. Kein Vergessen und kein Verzeihen. Auch wenn Herr Haider meint, dass er es nicht so gemeint hat. Wie hat er es denn gemeint oder gesagt oder gedacht?

Musils Mann ohne Eigenschaften ist die Traumfigur der meisten Politiker. Ja, er, der Mann aus dem Volke sei ohne Eigenschaften, dann könne ihm geholfen werden, meinen sie.

Die bedenklichen Herren in der Regierung, die uns die Geschichte verpasst hat, haben gezeigt und werden weiterhin zeigen, dass Sprache und Versprechen etwas Gefährliches und etwas Dummes sein kann.

Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt! Diesen Satz hat der Mann ohne Eigenschaften gehört. Und geglaubt.

Es gehört doch viel Dummheit dazu, das für Politik zu halten, was nichts anderes als eine Folge von Gemeinplätzen und Wiederholungen oder frisch aufgeschnappten Phrasen ist. Die desolaten Verhältnisse, das aufgeblasene, hohle, verdorbene Scheinwesen des politischen Redens und Treibens, der Niedergang verbrauchter Hoffnungen, das ständige überleben verkommener Führer müsste jeden mit Zorn erfüllen. Die Erfolgsgier des einen, mit der er Bundeskanzler wird, die Rassenhygiene des anderen, der vieles der Kunst für entartet hält und der bei Ausländern, ausgenommen die Touristen, immer Raus sagt.

Ja, Herr Schüssel, ja, Herr Haider!
Wenn diese Regierung notwendig ist, wird sie auch tatsächlich sein, wenn sie wirklich ist, wird sie auch möglich sein, wenn sie nicht möglich ist, ist sie auch nicht wirklich und wenn sie nicht wirklich ist, ist sie auch nicht notwendig.

Helmut Eisendle lebt als freier Schrifsteller in Wien