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mehr demokratie wagen
piefke 3000, 24.2.2000
demokratie, eines der meiststrapaziertesten worte derzeit in österreich, sollte endlich einer qualifizierung und auch quantifizierung unterworfen werden.
"Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.", meinte winston churchill (genau der!). "Direkte Demokratie schließt die gefährlich werdende Kluft zwischen Bürgern und Politik", schreibt gero von randow in der zeit. der artikel behandelt zwar die deutsche parteienkrise, aber die schweiz und die usa kommen auch drin vor. und: diese kluft existiert nun einmal auch in österreich, derzeit wird sie hier sogar größer.
ich, als freiwilliges und bekennendes mitglied der vom österreichischen regierungschef belächelten "internet-generation", rufe alle parteien dazu auf, mehr demokratie zu wagen: überlegt euch, ob und wie ihr die vernetzten (und von der politik bisher versetzten) bürgerInnen für euer programm gewinnen könnt. dann werden sich die wirklich demokratischen kräfte von der spreu trennen.
ihr habt damit sogar die chance, einmal nicht der tempoangebenden nation hinterherzurennen, sondern ganz vorn mit dabei zu sein, eine optimierungsstrategie für die herrschenden demokratischen verhältnisse zu entwickeln: die europäische und (noch) stärker politisch gefärbte variante des cluetrain manifesto.
dazu einige auszüge, teilweise mit entprechenden transformationen in den politischen bereich:
3. Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden mit menschlicher Stimme geführt.
5. Menschen erkennen einander am Klang ihrer Stimme.
6. Durch das Internet kommen Menschen miteinander ins Gespräch, das war im Zeitalter der Massenmedien undenkbar.
7. Hyperlinks untergraben die Hierarchien.
12. Die Menschen in vernetzten Gesellschaften haben begriffen, daß sie durchschauen was gespielt wird und, daß sie sich aufeinander besser verlassen können als auf die PolitikerInnen. Das ist das Ende der Medieninszenierung über den Mehrwert ihrer Wahlversprechen.
15. Die Parteien äußern sich nicht mit der Stimme der neuen, vernetzten Gespräche. In den Ohren ihrer WählerInnen klingen sie hohl, es ist die Stimme des Unmenschen.
27. Ihre Öffentlichkeitsarbeit hat mit der Öffentlichkeit wenig zu tun. Die Parteien ängstigen sich vor ihren WählerInnen.
28. Ihre arrogante Sprache hält die Menschen auf Distanz, sie bauen Mauern, mit denen sie die Menschen draußen halten.
53. Paranoia vernichtet die Gesprächskultur, das ist ihr Zweck. Aber der Mangel an offenem Gespräch vernichtet Parteien.
83. Wir rechnen damit, daß ihr demnächst 120.000 von uns so ernst nehmt, wie einen Eurer großköpfigen Fachleute.
90. Unser neuer Diskurs ist spannender als fast alle Parlamentsdebatten, unterhaltsamer als jede Wahlveranstaltung und ganz bestimmt lebensnaher als die Websites und Drucksachen die ihr uns zumutet.
95. Wir sind aufgewacht und verbinden uns miteinander. Wir beobachten. Wir warten nicht.
ask not what democracy can do for you, ask what you can do for democracy. |
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