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Frau
Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten
Benita FERRERO-WALDNER
Ballhausplatz
1010 Wien
Sehr geehrte Frau Bundesminister !
Asyl in Not beantragt hiermit die Einleitung eines Disziplinarverfahrens
nach dem Beamtendienstrecht gegen Herrn Parisini, Botschafter Österreichs
in Lagos. Dieses Verfahren wird zu seiner Amtsenthebung führen und seine
Entlassung aus dem diplomatischen Dienst zur Folge haben müssen.
In einem Schreiben an den Unabhängigen Bundesasylsenat vom 28.2.2000,
überschrieben: "Stellungnahme betreffend die Gefahr einer politischen und
religiösen Verfolgung in Nigeria", unterschrieben: Der Botschafter:
Parisini m.p., welches in Kopie beiliegt, heißt es unter anderem:
"Nach den Erfahrungen der Botschaft Lagos sind leider die (!) Nigerianer
vielfach nicht nur Meister der Fälschung von Dokumenten und Nachweisen
aller Art, sondern auch sehr überzeugende Darsteller von erschütternden
Geschichten über erlittene Gewalt, Racheakte etc., welche sie zur
Emigration getrieben hätten."
Sowie weiter unten:
"Die ho. Feststellungen und Erfahrungen zeigen immer wieder, daß nach
geglückter Auswanderung eines Familienmitgliedes die zahlreichen anderen
Familien- und Stammesangehörigen nachgeholt werden, sodaß jede Asyl- und
Aufenthaltsgenehmigung letztlich eine ganze Gruppe betrifft."
Diese Äußerungen des Botschafters Parisini sind Ausdruck einer
rassistischen Gesinnung. Parisini bezichtigt die Nigerianer pauschal,
Betrüger und Fälscher zu sein. Er beschuldigt ein ganzes Volk. Jenes Volk,
dem gegenüber er als Botschafter die Republik Österreich zu vertreten hat.
Schon damit ist er als Botschafter unseres Landes untragbar geworden.
Überdies stellt er seine mangelnde Kenntnis der österreichischen Gesetze
unter Beweis. Flüchtlinge, denen Österreich Asyl gewährt, können nämlich
nicht einfach ihre ganze Familie nachholen; Asyl kann vielmehr nur auf
EhepartnerInnen und minderjährige Kinder erstreckt werden.
Herr Parisini schürt mit seiner Behauptung, anerkannte Flüchtlinge würden
eine "ganze Gruppe" aus Nigeria nachholen, genau jenen Fremdenhaß, der
schon in den sattsam bekannten Plakaten einer sattsam bekannten
Rechtsaußenpartei im vergangenen Wahlkampf gegen angeblich drohende
"Überfremdung" und angeblich drohenden "Asylmißbrauch" zum Ausdruck kam.
Ohne Zweifel ist Ihnen, sehr geehrte Frau Bundesminister, bewußt, daß eben
diese fremdenfeindliche Grundhaltung die Maßnahmen der europäischen
Demokratien gegen die derzeit amtierende österreichische Bundesregierung
ausgelöst hat.
Überdies beweist der Botschafter Parisini seine krasse Unkenntnis der
wirklichen Zustände in Nigeria, jenem Land, in dem er unsere Republik zu
vertreten hat, indem er vorgibt, dort sei alles in Ordnung, die
Demokratisierung sei in vollem Gang, vor der "Korruption, der heftigen
Kriminalität und den periodisch aufflammenden ethnischen Gegensätze" könne
"man sich durch Domizilwechsel im Lande (so schwierig und gefährlich dies
in Einzelfall auch sein mag) in Sicherheit bringen".
Die Wirklichkeit ist anders:
Den zitierten Brief des Botschafters Parisini habe ich bei
Akteneinsichtnahme für eine nigerianische Klientin meines Büros entdeckt,
welche am ganzen Körper schreckliche Narben hat. Sie war - als
alleinstehende, wehrlose Frau - Opfer eines Konflikts geworden, vor dem der
nigerianische Staat sie weder schützen konnte noch wollte.
Auch ein "Domizilwechsel im Lande" (etwa in die von Mord, Korruption und
ethnischen Kämpfen geprägte Hauptstadt Lagos) war ihr - als
alleinstehender, schutzloser Frau - eben wegen der damit verbundenen, vom
Botschafter erwähnten, Schwierigkeiten und Gefahren nicht zumutbar. Sie
hätte dort nicht lange überlebt. Diese unglückliche Frau hatte es nicht
nötig, wie Herr Parisini meint, erschütternde Geschichten darzustellen; sie
trägt die Spuren ihrer erschütternden Erlebnisse für jeden, auch das
Asylamt, sichtbar am Leibe.
Selbstverständlich habe ich dem Unabhängigen Bundesasylsenat mit heutiger
Post mitgeteilt, daß ich Herrn Parisini als Auskunftsperson oder gar als
Sachverständigen im Asylverfahren meiner Klientin, sowie auch künftighin in
allen Asylverfahren nigerianischer Flüchtlionge, wegen rassistischer
Befangenheit ablehne.
Aber das ist nicht genug. Herr Parisini hat durch den zitierten Brief seine
rassistische Grundhaltung gezeigt. Er hat bewiesen, daß er nicht würdig
ist, unsere Republik im Ausland zu vertreten.
Ich beantrage daher, gegen ihn ein Disziplinarverfahren einzuleiten, ihn in
der Folge von seinem Posten als Botschafter in Lagos zu entfernen und ihn
überhaupt und für immer aus dem diplomatischen Dienst zu entlassen
Mit freundlichen Grüßen
Michael Genner
(Geschäftsführer)
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