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Tag der freien Fahrt
Für Obdachlose und Sozialhilfebezieher/innen

Freitag, der Dreizehnte - ein schönes Datum, Nein zu sagen. Nein zur sozialen Ungerechtigkeit, Nein zur unsozialen Tarifgestaltung, Nein zur Verfolgung und Kriminalisierung obdachloser "SchwarzfahrereInnen", Nein zum Krieg gegen die Armen. Der AUGUSTIN lädt die Obdachlosen, die SozialhilfeempfängerInnen und alle, die sich mit ihnen solidarisieren wollen, zum nächsten TAG DER FREIEN FAHRT ein, zur demonstrativen, kollektiven "Schwarzfahrt" mit der Strassenbahnlinie D.

Treffpunkt: Freitag, 13. Oktober, 13 Uhr, Endstelle der Linie D, Wien-Südbahnhof.

Am 13. Juni dieses Jahres war eine lange Serie der monatlichen symbolischen FREIEN FAHRT vorläufig zu Ende gegangen. Wir gönnten uns eine Atempause und dem Rathaus eine Nachdenkpause. Wenn wir bis Ende September kein Signal aus dem Rathaus erhalten, dass an der Lösung unseres Problems gearbeitet werde, wird unser Handeln radikaler werden, kündigten wir damals dem Sozialsprecher des Bürgermeisters an. Unser Problem: Nach wie vor müssen Obdachlose und SozialhilfeempfängerInnen, also ausgerechnet die Habenichtse dieser Stadt, den vollen Preis für die Öffis zahlen, während es für die verschiedensten anderen Gruppen deutliche Ermässigungen gibt. Nach wie vor werden Obdachlose, die diesen Preis nicht zahlen können, als kriminelle Schwarzfahrer oft monatelang ins Gefängnis gesteckt oder mit Schuldenbergen überhäuft. Das Damoklesschwert der Schuldeneintreibung dämpft jede Lust auf einen Einstieg in reguläre Erwerbsarbeit. Wir nennen das den Beitrag der Stadt Wien zum allgemeinen Krieg gegen die armen Leute.

Der September ist zu Ende gegangen. Kein Ton aus dem Rathaus. Bürgermeister Michael Häupl ignoriert nach wie vor jedes Schreiben des AUGUSTIN in dieser Angelegenheit. Was uns fast zur Vermutung verleitet: Das Stadtoberhaupt ist auf Quotenjagd und will sich nicht mit "Sandlern" abgeben. Sein Schweigen ist aber nun illegitimer denn je. Denn am 16. September beschloss der Landesparteitag seiner Partei, dass man die Öffi-Tarife neu regeln müsse: Obdachlosen und sozial Schwachen müsse die Benutzung der Wiener Linien "in einem für sie finanziell leistbaren Rahmen" ermöglicht werden, beschloss der Parteitag. Der Landesparteivorstand mit Häupl an der Spitze wäre nun verpflichtet, den Beschluss in die Realität umzusetzen. Unserer Meinung nach kann dies nur in dieser Form geschehen:

Nulltarif für Obdachlose und SozialhilfeempfängerInnen!

augustin@nextra.at, am 3. Oktober 2000