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"Achse" Berlin-Wien

Ein juristisches Gezerre ging dem braunen Marschbefehl voraus: jetzt hat das Berliner Oberverwaltungsgericht die zunächst von der Staatspolizei verbotene NPD-"Sympathiekundgebung" für Haider und seine ewig Gestrigen erlaubt! Unter dem unfassbaren Motto "Wir sind ein Volk - Nationale Solidarität mit Österreich" will ein Haufen Rechtsradikaler noch einmal, wie schon am 29.1.2000 geschehen, vorbei an historischen Wirkungsstätten Adolf Hitlers marschieren und seinen "Triumphzug" mit dem Brandenburger-Tor beschliessen. Wie 1933. Wir kennen diesen Anblick nur noch aus Geschichtsbüchern und Dokumentarfilmen – es gibt noch unzählige Menschen, die es tatsächlich miterleben mussten. Denen, die darunter gelitten haben, wird zumindest ein Bild erspart bleiben: die NPD-Route muss noch vor dem Brandenburger-Tor enden. Das heisst, die im Geiste tiefbraunen Horden dürfen auch nicht auf das Fussballfeld grosse Areal des geplanten Holocaust-Mahnmals neben dem Pariser Platz zumarschieren.

Dorthin, wo zeitgleich die Kundgebung gegen Rassismus stattfinden wird. Aufgerufen hat die "Berliner Initiative: Europa ohne Rassismus" (siehe Eintrag vom 9. März). Wir alle wissen, was heute am 12. März vor mittlerweile 62 Jahren am Heldenplatz und danach geschehen ist. Das wollen wir auch heute und niemals vergessen! Wir verbieten uns eine Kundgebung der "Nationalen Solidarität mit Österreich", die nur der Ullrichsberg-Klientel und anderen Wahnsinnigen gelten kann. Und wir fragen uns, was für ein Bonmot wird uns Jörg Haider zu diesem Anlass liefern.

Wir freuen uns, dass tausende Menschen zeitgleich gegen Rassismus und Faschismus aufbegehren werden – die einzige Solidaritätsbezeugung an diesem historischen Trauertag. Und weil wir leider nicht alle nach Berlin fahren können, werden wir heute beim "Hora-Tanzen gegen schwarzblau" (Desider Friedmann Platz, 16 Uhr) unseren Protest gegen alles Rechte, ewig Gestrige und Untote deutlich bekunden. Und wir hoffen, dass das Oberverwaltungsgericht oder eine andere Instanz den Aufmarsch der Berliner Rechten schon an ihrem Ausgangspunkt stoppt!

Sophia-Therese Fielhauer am 12. März 2000